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'''Gehörlosigkeit''' bezeichnet das vollständige oder weitgehende Fehlen der Hörfähigkeit bei Menschen. Laut dem Deutschen Gehörlosenbund sind etwa 0,1 % der Bevölkerung in Industrienationen von Gehörlosigkeit betroffen.

Begriff

Der medizinische Ausdruck für Taubheit lautet ''Surditas'' (lat.). Der Ausdruck ''gehörlos'' entstand im deutschen Sprachraum nach der Einführung der allgemeinen Schulbildung für taube Kinder im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Tritt eine Hörschädigung erst nach dem Alter des natürlichen Spracherwerbs ein, spricht man von ?postlingualer? oder ?Spät-Ertaubung?.

Circa 98 % der so genannten nicht hörenden Menschen haben ein Restgehör. Dabei ist der Begriff ''Gehörlosigkeit'' synonym zu Begriffen wie '''hochgradige Schwerhörigkeit''', '''hochgradige Hörschädigung''', '''Resthörigkeit''' oder '''Taubheit'''. Es handelt sich um Einschränkungen der Hörfähigkeit, bei denen akustisch entweder gar nichts oder entsprechende Reize nur noch mit Hörhilfen wie einem Hörgerät oder z.?B. einem Cochlea-Implantat wahrgenommen werden können. Ob Gesprochenes mit diesen Hörhilfen verstanden wird, ist individuell verschieden.

Die Bezeichnung ''taubstumm'' wird von gehörlosen Personen als diskriminierend empfunden, weil der Wortteil 'stumm' eine negative Konnotation enthält und gegen gehörlose Personen gerne und oft in der Bedeutung von ?dumm? oder ?unfähig? gehandhabt wird. wird verschiedentlich auch der Regelschulbesuch mit dem Argument der ?Integration? offensiv gefördert, wobei im Hintergrund jedoch oft die Erwartung der Kostendämmung durch Einsparungen von Sonderschul-Pädagogen und separaten Schulen steht.

Der ?integrative? Schulbesuch an einer Regelschule hat keine einheitliche Fassung, es gibt neben dem sonderpädagogisch völlig unbegleiteten Regelschulbesuch noch den sonderpädagogisch und/oder von einer Gebärdensprachdolmetscherin begleiteten Schulbesuch sowie sehr vereinzelt auch das Konzept der ?umgekehrten? Integration, bei der in eine Sonderschule nicht behinderte Kinder aufgenommen werden.

Je weniger sonderpädagogische oder sprachliche Unterstützung bei einem ?integrativen? Regelschulbesuch erfolgt, umso mehr ist der Erfolg dieses Schulbesuchs von besonders hoch entwickelten Fähigkeiten und Talenten des Kindes abhängig. Unberücksichtigt bleibt bei der Diskussion der integrativen Beschulung in der Regel die ?Gefühlslage? des Kindes, das im Klassenverband der anderen Kinder mehr oder weniger eine Sonderstellung einnimmt, die zusätzlich zum Unterrichtsstoff auch psychisch verarbeitet werden muss.

Freizeit-, Sport- und Kulturvereine

Da taube Personen durch ihre Kommunikationsbehinderung in der Gesellschaft häufig isoliert sind, werden soziale Kontakte gern innerhalb von Gehörlosenkreisen gepflegt. Die über Jahrhunderte hinweg gepflegte Gemeinschaft mit gleichartig Betroffenen führte zumindest im außerberuflichen, privaten Bereich zur Entwicklung einer eigenen Kultur.

Zur speziellen Kultur der Gehörlosen gehört neben der Gebärdensprache beispielsweise, dass es in sämtlichen größeren Städten einen Verein und einen festen Treffpunkt, oft ?Clubheim? genannt, gibt. Stark entwickelt ist zudem der Gehörlosensport. So werden weltweit die Deaflympics jeweils ein Jahr nach den Olympischen Spielen veranstaltet.

Auch in den ?schönen Künsten? haben sich eigene Strukturen gebildet, so z.?B. mit dem Gehörlosentheater, Gebärdensprachchören und den Kulturtagen der Gehörlosen.

Wichtiger Bestandteil der Gehörlosen-Kultur sind auch deren meist hörende Kinder, die der Gemeinschaft oft lebenslang verbunden bleiben und auch ihre eigenen Vereinigungen haben. Sie sind international unter dem Akronym CODA ? Children of Deaf Adults ? bekannt.

Gehörlose, die in der Gehörlosen- und Gebärdensprachgemeinschaft leben, lehnen medizinische und juristische Definitionen von Gehörlosigkeit ab, nach denen sie unvollständig, reparaturbedürftig und behindert sind. Nach ihrem Selbstverständnis handelt es sich bei der Gehörlosengemeinschaft um eine sprachliche und kulturelle Minderheit.

Interessenvertretungen

Als politische, soziale und kulturelle Interessenvertretung der Gehörlosen im deutschsprachigen Raum betrachten sich der Deutsche Gehörlosen-Bund, der Österreichische Gehörlosen Bund (ÖGLB), der Schweizerische Gehörlosenbund (SGB) und der Weltverband der Gehörlosen (WFD).

Als politische und soziale ??jedoch nicht kulturelle?? Interessenvertretung im deutschsprachigen Raum für lautsprachlich kommunizierende Hörgeschädigte bzw. Hörbeeinträchtigte betrachten sich der deutsche ''Förderverein LKHD?? Lautsprachlich Kommunizierende Hörgeschädigte Deutschland e.?V.'' (Kurzform ''Förderverein LKHD'' oder auch ''LKHD'') und die Schweizer Selbsthilfeorganisation ''lkh.ch, Lautsprachlich Kommunizierende Hörbeeinträchtigte'' (''lkh.ch'', vormals ''LKH Schweiz'').

Kommunikation mit Lautsprache

Zum Verstehen lautsprachlicher Informationen sind gehörlose Personen auf das Lippenlesen und/oder auf technische Hilfsmittel angewiesen. Sowohl visuell von den Lippenstellungen wahrnehmbare Sprechtöne als auch die eventuell mit Hilfsmitteln gehörten Töne sind für sie nur bruchstückhaft wahrnehmbar. Die übermittelte Information muss daher teilweise ?erraten? werden, wobei Hinweise aus dem Kontext der Umgebung und aus vorhergehenden Sätzen herangezogen werden. Bei größerem Umfang oder je nach Komplexität?? z.?B. in einem Vortrag?? ist das sehr anstrengend bis gar unmöglich.

Vielfach wird bei nicht direkt therapierbarer Taubheit als medizinische Maßnahme eine technische Hörhilfe verschrieben bzw. angewendet. Technische Hörhilfen sind das Hörgerät sowie die chirurgisch eingesetzten Cochlea- (CI) und Hirnstamm-Implantate (Auditory Brainstem Implant, ABI). Der Erfolg dieser technischen Hilfsmittel ist individuell sehr unterschiedlich. Bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit können die derzeit bekannten Hörhilfen nicht den Umfang und die Differenzierung von Tönen und Geräuschen vermitteln, wie sie ein Mensch mit normalem Hörvermögen hat.

Das führt dazu, dass Hörhilfen allein zwar ein Hörerlebnis vermitteln, jedoch meist nicht ausreichen, um damit unmittelbar die Lautsprache zu verstehen. Dazu muss der Hörhilfen-Einsatz in der Regel von einem speziellen Training begleitet werden. Das hörgeschädigte Kind ist daher nicht nur auf technische Hilfsmittel, sondern auch auf eine spezielle Hör- und Sprecherziehung angewiesen, mit der?? je nach Begabung und Übung?? die Lautsprache erlernt werden kann. Für die eigene Sprech-Schulung ist die auditive Rückkopplung oft nicht genügend nuanciert und die komplexe Kontrolle des Sprechapparates ist schwierig.

Dank besserer Förderungsmöglichkeiten gelingt es immer mehr Gehörlosen, die Lautsprache so weit zu beherrschen, dass ein dauerhafter sozialer Kontakt mit der Mehrheitsgesellschaft entsteht. Dazu haben sich im deutschsprachigen Raum im Kreis dieser sogenannten ?Lautsprachlich kommunizierenden Hörgeschädigten? auch eigene Vereine mit vereinsinternen Aktivitäten gegründet.

Filme/Musik im Kontext

  • ''Verkannte Menschen'' ist ein Dokumentarfilm über das Leben Gehörloser aus dem Jahr 1932, der 1934 von den Nazis verboten wurde.
  • ''Gottes vergessene Kinder (Children of a Lesser God)'' (Spielfilm, USA, 1986) ist ein Filmdrama und Liebesfilm von Randa Haines aus dem Jahr 1986. Ausgezeichnet mit zahlreichen Filmpreisen (Oscar, Golden Globe u. a.).
  • ''Jenseits der Stille'' (Spielfilm, Deutschland, 1996). Ein Kind gehörloser Eltern entdeckt die Musik und wird erwachsen ? ein Film über das Leben, die Liebe und den Klang des Schnees. Nominiert für den Oscar.
  • ''.
  • ''A Silent Voice'' (Anime, Japan, 2016), ist ein Anime, der auf der gleichnamigen Manga-Vorlage beruht und die Geschichte der gehörlosen Shoko Nishimiya erzählt, die sie mit ihren Mitschülern und speziell Shoya Ishida erlebt. - Das Projekt wurde vom japanischen Gehörlosenbund unterstützt und u.?a. mit dem Osamu-Tezuka-Kulturpreis ausgezeichnet.
  • Das Lied ''Musik, nur wenn sie laut ist'' von Herbert Grönemeyer (Album ''Gemischte Gefühle'') handelt von einem betroffenen Mädchen.
  • Die Serie ''Switched at Birth'' handelt von zwei Mädchen, die nach der Geburt vertauscht wurden. Eine von den beiden wurde im Alter von drei Jahren taub, die Gehörlosigkeit wird mehrfach und unter verschiedenen Aspekten thematisiert.
  • '' gehen will, wird die Abhängigkeit zum Problem.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise